sonstige Materialien


Textilkonservierung

Die Textilien datieren mutmaßlich ins 18. Jh. und entstammen dem Kindergrab einer Gruft der Kirche St. Kilian in Pretzfeld. Es handelt sich um die Vorder- sowie Rückseite eines gefilzten Mieders mit Buntmetalldraht-verstärkter Brust-Schnürung und Versteifung (garnumwundener Draht zu Ripsbändern gewebt) sowie um die Fragmente einer gefütterten Oberbekleidung mit Webborten.

Ziel der Restaurierungsmaßnahmen war es, die Textilien zu reinigen, zu sichern und für den Auftraggeber - das Fränkische Schweiz Museum Tüchersfeld - in einen museal präsentierbaren Zustand zu überführen.

 

Eingangszustand der Textilien

Ein Teil der Fragmente, die Vorderseite eines Mieders ausgenommen, lagen eingangs übereinander und waren stark gestaucht, so dass anfänglich keine Aussage darüber getroffen werden konnte worum es sich überhaupt handelte. Die Textilien waren von Insektenresten, Schmutzpartikeln und mineralisierten Abbauprodukten des Grabmilieus verunreinigt. Insektenfraß und chemische Vorgänge im Zuge der Organikzersetzung hatten zur Folge, dass die Fasern der Gewebe partiell abgebaut und die Bekleidungsstücke nur mehr fragmentarisch erhalten sind. Diesen Umständen ist auch die massive Verfärbung der Bekleidungsfragmente zu zuschreiben - so resultiert die nun vorherrschende Braunfärbung aus chemisch-oxidativen Vorgängen, die auffällige Blau-Grün-Färbung der Schnürung am Mieder ist hingegen eine Folge der Kupferkorrosion anliegender Buntmetalldrähte - so weicht das heutige Erscheinungsbild mit Sicherheit stark von der ursprünglichen Farbgebung ab. Um Informationen über die originale Farbigkeit der Bekleidung zu erhalten, wären naturwissenschaftliche Analyseverfahren notwendig, diese sind derzeit nicht geplant.

 

Rekonstruktionsvorschläge für Mieder und Oberbekleidung


Zustand der Textilien nach der Konservierung

Konservierungsmaßnahmen

Um geeignete konservatorischen Maßnahmen evaluieren zu können, wurden die vorliegenden Gewebearten zunächst untersucht und deren Faserzusammensetzung durchlichtmikroskopisch analysiert. Hierbei konnte festgestellt werden, dass hier ausnahmslos Wolle (Schaf/Lamm) - allerdings in unterschiedlichen  Feinheiten - Verwendung fand. Die Reinigung der Textilien erfolgte zunächst trocken, lediglich die Fragmente der Oberbekleidung konnten in einer speziellen Waschlösung zusätzlich nass gereinigt werden. Im Zuge der kontrollierten Trocknung war bis zu einem gewissen Grad auch die Rückformung der gestauchten, teils deformierten Textilien möglich. Die Konsolidierung brüchiger Gewebepartien erfolgte mit einem Festigungsmittel, welches lediglich als Brückenbildner an Faserkreuzungspunkten fungiert. Es findet keine Ummantelung der Wollfasern statt wodurch ein Beschweren der Gewebe und eine Änderung der Farbwirkung ausbleibt. Die Schnürung und die versteifenden Ripsbänder des Mieders waren bedingt durch die Korrosion BM-Drahtes vielfach gebrochen bzw. gerissen. Eine Rückformung war aufgrund der enormen Brüchigkeit des Materials keinesfalls möglich. Das punktuelle Verkleben mit Glasfasern oder wahlweise auch Seidenchiffon-Streifen ermöglichte dennoch ein Zusammenfügen loser Bereiche.

Im Endergebnis war die gewünschte Zuordnung der Textilfragmente zueinander weitgehend möglich. Unklar bleibt allerdings um welches Kleidungsstück es sich bei der Oberbekleidung handelt - Weste oder Jacke? Fragmente der Ärmel fehlen, die Bergung aus den 1980er Jahre ist undokumentiert und möglicherweise unvollständig erfolgt. Aufgrund des Abbaugrades des Textils in diesen Bereichen, kann derzeit keine der beiden Varianten gänzlich ausgeschlossen werden.


Konservierung eines frühmittelalterlichen Lehmbackofens für die Gemeinde Unterföhring (2015)

Transportvorbereitung, konservatorische Begleitung des Projektes

Der Lehmbackofen, datiert ins 9.Jh. n. Chr., war bereits 2008 im Zuge des Neubaus des Bürgerhauses geborgen worden. Die aus einem Stroh-Lehm-Gemisch bestehende Kuppel des als "älteste Hofpfisterei Münchens" geltenden Objektes ist nicht erhalten.  In Gipsbandagen gehüllt und auf einer Stahlpatte stehend, zusätzlich gesichert mit doppellagig eingeschobenen stählernen Rundstäben, hatte das Objekt Gelegenheit über einen Zeitraum von 7Jahren langsam zu trocknen.

Im Mai 2015 wurde mit der Konservierung des inzwischen getrockneten Objektes begonnen. Neben der Verfüllung zahlreicher Trocknungsrisse galt es, einen Teil der eingestürzten Rückwand aus den provisorisch gesicherten Bruchstücken wieder zusammen zu fügen. Die stark verschmutzte Oberfläche wurde gereinigt, partiell gefestigt und Ausplatzungen im Bereich der Rundstähle aus statischen Gründen ergänzt. Eine Herausforderung barg die Konzeption der konservatorischen Maßnahmen: Der Lehmbackofen sollte in einer Außenvitrine präsentiert werden. Zu erwartende Sonneneinstrahlung, Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen mussten in die Konzeption und somit in die Auswahl der Konservierungsmittel einbezogen werden.

Im September 2015 konnte der Lehmbackofen schließlich ohne Zwischenfälle zum Bürgerhaus der Gemeinde Unterföhring transportiert und dort in die vorgefertigte Außenvitrine (Planung: Büro Müller-Rieger, München) gehoben werden.